aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

HAP Grieshaber
(eigentlich Helmut Andreas Paul Grieshaber , * 15. Februar 1909 in Rot an der Rot ; † 12. Mai 1981 in Eningen unter Achalm ) war ein deutscher Maler und Grafiker. Sein bevorzugtes Medium war der großformatige, abstrahierende Holzschnitt. gries75.jpg
Leben

Der in Rot an der Rot geborene Grieshaber verbrachte seine Schulzeit von 1915-1926 zuerst in Nagold und später in Reutlingen, wo er 1926-1927 auch eine Schriftsetzerlehre absolvierte. Zwischen 1926-1928 studierte er Kalligraphie in Stuttgart und setzte seine Studien von 1928 bis 1931 in London und Paris fort.

Zwischen 1931 und 1933 führten ihn seine Reisen nach Ägypten und Griechenlan . Zu Beginn der NS-Herrschaft 1933 mit einem bis 1940 andauernden Berufsverbot belegt, hielt er sich in dieser Zeit als Hilfsarbeiter in Reutlingen über Wasser. 1940 wurde Grieshaber als Soldat in die Wehrmacht eingezogen und war u.a. in Hagenau im Elsass stationiert. 1945 geriet er in einjährige Kriegsgefangenschaft und wurde in Mons (Belgien) interniert.

1947 kehrte er nach Reutlingen zurück und lebte und arbeitete von nun an auf der Achalm. 1950 wirkte er an der Neugründung des Deutschen Künstlerbundes mit. Zwischen 1951-1953 arbeitete er als Lehrer an der Bernsteinschule bei Sulz am Neckar und wurde 1955 Nachfolger Erich Heckels an der Kunstakademie Karlsruhe, wo er bis 1960 lehrte.

In den folgenden Jahren erhielt Grieshaber verschiedene Preise und Auszeichnungen; so 1957 den Oberschwäbischen Kunstpreis, 1961 den Kunstpreis der Stadt Darmstadt, 1962 den Corneliuspreis der Stadt Düsseldorf , 1968 den Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes, 1971 den Dürer -Preis der Stadt Nürnberg und 1978 den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig.

Zu seinem 70. Geburtstag 1979 wurden große Retrospektiven in vielen Museen in beiden Teilen Deutschlands gezeigt. Letztmalig wurde Grieshaber 1980 mit dem Kunstpreis der Stadt Konstanz ausgezeichnet. 1981 starb Grieshaber im Alter von 72 Jahren auf der Achalm.

Künstlerische Bedeutung

HAP Grieshaber erneuerte nach dem Zweiten Weltkrieg den Holzschnitt und entwickelte ihn zum eigenständigen, monumentalen Wandbild.

Während der Herrschaft des Nationalsozialismus konnte der in Reutlingen lebende Künstler nur im Verborgenen künstlerisch arbeiten, da er als Gegner der Diktatur faktisch Ausstellungs- und Berufsverbot hatte. Dennoch entstand bereits in dieser Zeit ein beachtliches Holzschnittwerk. Landschaften der Schwäbischen Alb , Tiere, religiöse und mythologische Themen werden immer wieder im zeitgenössischen und politischen Kontext, aber auch davon losgelöst variiert. Während die frühen Arbeiten zunächst stark vom mittelalterlichen Linienholzschnitt ausgingen, gelang Grieshaber seit den späten 1930er Jahren eine überzeugende Synthese des Linienschnittes mit dem Flächenholzschnitt.

Anfang der 1950er Jahre entstanden während seiner Tätigkeit an der Bernsteinschule die ersten lebensgroßen Holzschnitte, die er später zu teilweise mehrteiligen Zyklen erweiterte. Den Weg zur Monumentalisierung des Holzschnitts führte er mit der documenta-Wand für die documenta 1964 und in vielen Großbildern für öffentliche Bauten fort. Zu seinen größten Arbeiten zählt der 1965 für den Neubau des Rathauses von Reutlingen entstandene Sturmbock, ein zum Holzstock verarbeiteter Baumstamm von 12 Meter Länge, der im Foyer des Rathauses ausgestellt ist.

Seine Themen spannen sich dabei von der Flora und Fauna der Schwäbischen Alb über Liebespaare, religiöse und mythologische Darstellungen bis hin zu politischen, sozialen und ökologischen Fragen. Im Zentrum seines Werks stand dabei stets der Mensch, für den er kämpfte, wann immer es ihm nötig erschien.

Neben der Staatsgalerie Stuttgart verfügt das Städtische Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen über einen der umfangreichsten Bestände an Arbeiten Grieshabers, darunter zahlreiche Unikate und Künstlerexemplare.

Werke

Josefs-Bilderwand in der Stadtkirche Stuttgart-Untertürkheim



Josefs-Bilderwand in der Stadtkirche Stuttgart-Untertürkheim


1935 Die Marienkirche in Reutlingen I: Buch mit 7 Holzschnitten, 24,4 x 15,5 cm
1935 Die Marienkirche in Reutlingen II: Buch mit 7 Holzschnitten, 24,5 x 15,6 cm
1935 Passion : 30 Holzschnitte teilweise handcoloriert, 50 x 35 cm
1936 The Swabian Alb / a book aof woodcuts: gemeinsam mit Klaus Vrieslander angefertigte Holzschnittmappe: 39,5 x 50 cm
1946 Die zwölf Monate: 12 Farbholzschnitte in versch. Größen (ca. 9 x 9 cm)
1949 Ulmer Tuch I: 16 Farbholzschnitte auf Leinwand gedruckt, 270 x 221 cm
1952 Schmerzensbild ( Diptychon ): Farbholzschnitt, 151 x 133 cm
1952 Deutschland: Farbholzschnitt, 105 x 200 cm
1956 Janusköpfe: Mappe mit 6 Farbholzschnitten, 50 x 35 cm
1960 Afrikanische Passion ( Triptychon ): Farbholzschnitte, 120 x 90 cm, 120 x 68 cm, 120 x 103 cm
1964 The Lord's black nightingale gewidmet: Mappe mit sechs Farbholzschnitt und vier Holzschnitten in schwarz, 67,5 x 54 cm
1964 Osterritt: Mappe mit 39 Holzschnitten, 32 x 27 cm
1965 Carl Orff : Carmina Burana / HAP Grieshaber / Jaques Prévert: Mappe mit 14 Farbholzschnitten, 68,5 x 54 cm
1965 Sturmbock: 14 Holzschnitte in einem 90 cm hohen und 1200 cm langen Abacchi -Stamm für das Rathaus Reutlingen , Stamm über dem Eingang zum Ratssaal angebracht Totentanz von Basel : 40 Farbholzschnitte, 45 x 35 cm
1970 Josefs-Bilderwand in der Stadtkirche Stuttgart-Untertürkheim : 36 etwa 140 cm x 117 cm große Tafeln
zeichnen in sechs Reihen den Lebensweg von Josef nach

 

Personendaten
Name
Grieshaber, HAP
Alternativnamen
Grieshaber, Helmut Andreas Paul; HAP Grieshaber
Kurzbeschreibung
deutscher Maler und Grafiker
Geburtsdatum
15. Februar 1909
Geburtsort
Rot an der Rot
Sterbedatum
12. Mai 1981
Sterbeort
Eningen unter Achalm
 
JoomlaTheme.net