Birnbaumgeflüster (22)

 

 

Graziös, aufrecht, auf und ab wippend wie auf weichen Mokassinsohlen.

Wo soll es lang gehen, Sir?

Rhythmisches Kindergeschrei aus der Ferne.

Hohes, spitzes Lachen der Rumänin.

Der Wind haucht durch die gerade einmal zwei Wochen alten Blätter.

Die Schattenmuster tanzen wie auf Acid über die abgeschnittenen Grashalme.

Es kitzelt, sie lachen.

Die Frage bleibt unbeantwortet.

Das Brummen der Einmotorigen entfernt sich. Die Krähe krächzt.

Warum jetzt an Manhattan denken, oder an die Kölner Südstadt, Sir?

Ein Vogel verschwindet im Pflaumenbaum.

Der Rhabarberkönig sieht zu mir herüber.

Die Meise kommt aus dem orangefarbenen Haus.

Rumänische Wortfetzen werden vom gleichen Wind, der die Blätter erzittern lässt an mein Ohr getragen.

Die Sonne glotzt auf die Beifahrertür des Peugeot und brennt wie ein PAR 64 zu mir rüber.

Manfred rollt grußlos mit dem Mercedes ab.

Schafe wären gut, und eine Katze.

Wo kommt das Wasser her, Sir?

Schon wieder eine Frage, obwohl die letzte noch nicht beantwortet ist.

Hektik im Pflaumenbaum. Das grau werdende Eichhörnchen flüchtet vor zwei Amseln. Sie attackieren es sogar auf der Wiese.

Der Sechszylinder verlässt über den oberen Weg das Idyll.

Die Bergfahrer lassen die Motoren heulen als wäre der Sprit nicht bei 1,44 neun €.

Es ist Sieben und jetzt kommt das Sandmännchen.

Schluss für heute!

Der Birnbaum war in Verbindung mit der Eifelerbraugerste erfolgreich.

 

WR  4.5.2008

 

 

Pfingstmontagreim (23)

 

Ich möchte sie begrüßen

Mit Händen und mit Füßen

Bei diesem, ihrem Motto

Da denk ich an Risotto

 

Ich will mich nicht beschweren

Sonst müssten sie sich währen

Das kann ich nicht gut leiden

Drum will ich es vermeiden

 

Am Apfelbröselsemmeltag

Da sag ich was ich sagen mag

Kommt auch ein dummer Fritze

Und reißt darüber Witze

 

Bestellt hab ich die Bürsten

Mit Borsten, nicht mit Würsten

Der Markus war schnell stumm

Weil ich sie holen kumm

 

Die Uhr geht jetzt auf Vier

Ich bleib nicht länger hier

Die Arbeit geht zu Ende

Ich spucke in die Hände

 

Ich kann jetzt nicht aus ruh’n

Denn es gibt viel zu tun

Sechs Verse sind gedichtet

Die Woche gut gerichtet.

 

WR 12.5.08

 

 

Tinnitus (24) 

 

Die Grille zirpt im linken Ohr

Das kommt mir schon ganz seltsam vor

Ich warte was als nächster Sound

Mir meine Kopfakustik raubt

 

Es rauscht bald so wie in Schaffhausen

Und hupen hör ich weit von draußen

Die Violine zwischen durch

Erinnert an den Feuerlurch

 

Ein Dieselmotor hämmert mir

Den Viertakt, wie ein wildes Tier

Ganz sanft, doch schrill höre ich dann

Das Bremsen einer Eisenbahn

 

Das Radio ist ausgestellt

Kein Mensch an meiner Haustür schellt

Und doch sind meine Ohren wach

Sie hören unentwegt den Krach

 

Ich geh vom Boden in den Keller

Da oben war es auch nicht heller

Bis ich für mich erkennen muss

Jetzt lebst du mit dem Tinnitus

 

WR 19.5.08

 

 

Gretchenfrage (25)

 

Warum verreim ich dummer Tropf

Am Montag meinen armen Kopf

 

Anstatt mit ihm an jenem Tage

Zu lösen mal die Gretchen-Frage

 

Ich bin ein herzlich guter Mann

allein es ist, ich glaub nicht dran

 

WR 26.5.08

 

 

Die ursprüngliche Gretchenfrage steht in Goethes Faust, Teil I, Vers 3415 (Marthens Garten).

 

Margarete, genannt Gretchen, ist ein sehr junges Mädchen, das von dem älteren, respektablen

Wissenschaftler Faust umworben wird. Nachdem sie sich schon mehrmals getroffen, auch geküsst, aber

noch nicht miteinander geschlafen haben, kommt Gretchen auf einen Punkt zu sprechen, der für sie von

äußerster Wichtigkeit ist:

 

Gretchen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

 

Da Faust ausweicht, fragt sie nach: „Glaubst du an Gott?“ und „So glaubst du nicht?

 

 

Schlau (26)

 

Ich gebe zu, ich bin nicht klug

Denn schließlich weiß ich nicht genug

Ich bin auch keine dumme Sau

Denn dazu bin doch zu schlau

 

Wenn Lehrer sich und Professoren

In das Latein hinein verbohren

Dann kommt mir schnell in meinen Sinn

Das ich zurück geblieben bin

 

Ich habe auch nicht lang studiert

Das meiste hab ich ausprobiert

Bin froh mit mir ganz ohne Reue

Mit meiner Eifeler Bauernschläue

 

WR 26.5.08

 

 

 

 

 
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